Stand 22. September 2026
Zukunftsdepot: der aktuelle Stand
Seit der Ankündigung am 31. August gibt es weder einen Gesetzesentwurf noch eine Einigung in der Koalition. ÖVP und NEOS halten am Start mit 1. Jänner 2027 fest, das SPÖ-geführte Finanzministerium hält ihn für „technisch praktisch unmöglich“. Die letzte öffentliche Wendung stammt vom 9. September 2026: Nach dem Ministerrat nennt Bundeskanzler Christian Stocker das Zukunftsdepot unter den offenen Streitthemen der Koalition, für die man bald Lösungen finden wolle.
Von Martin Höllinger · Aktualisiert am
Wo das Verfahren steht
- 1Angekündigt
- 2Gesetzesentwurf
- 3Begutachtung
- 4Beschluss im Nationalrat
- 5Start
Damit das Zukunftsdepot wie angekündigt am 1. Jänner 2027 starten kann, braucht es bis dahin ein beschlossenes Gesetz: einen Entwurf der Regierung, die Begutachtung, einen Beschluss im Nationalrat und die Kundmachung. Dazu kommen die Banken, die ihre Produkte erst anbieten können, wenn die Regeln feststehen. Je länger der Entwurf auf sich warten lässt, desto knapper wird dieser Zeitplan.
Worüber gestritten wird
Das Geld
Budgetiert sind je 40 Millionen Euro für zwei Geburtsjahrgänge, finanziert aus dem Familienlastenausgleichsfonds. Was ab dem dritten Jahrgang passiert, ist offen. Der Steuerausfall durch die KESt-Befreiung steht gar nicht im Budget. Die Volkshilfe schätzt ihn nach 18 Jahren auf rund 800 Millionen Euro im Jahr.
Der Termin
Ministerin Claudia Bauer (ÖVP) nennt den 1. Jänner 2027 „vereinbart und zeitlich machbar“. Das Finanzministerium sieht dafür weder ein fertiges Konzept noch eine Lösung für die technische Umsetzung.
Die Verteilung
Der Steuervorteil wächst mit dem Betrag, den Eltern einzahlen können. Die SPÖ will deshalb zumindest den Bonus für jedes Kind automatisch über den Bundesschatz anlegen. Grüne, Volkshilfe und Caritas halten eine Kindergrundsicherung für wirksamer.
Was seit der Ankündigung passiert ist
Stocker kündigt „bald Lösungen“ an
Nach dem Ministerrat nennt Bundeskanzler Christian Stocker das Zukunftsdepot unter den offenen Streitthemen der Koalition, für die man bald Lösungen finden wolle. ORF
Wirtschaftsministerium und NEOS stellen sich hinter den Start 2027
Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) bekräftigt 500 Euro für alle Kinder, die ab 2027 in Österreich geboren werden. Die NEOS sehen „einer raschen Umsetzung“ nichts im Wege. Wirtschaftsministerium
Bauer: Start 2027 „vereinbart und zeitlich machbar“
Kanzleramtsministerin Claudia Bauer (ÖVP) verweist auf das Interesse der Banken und wirft Finanzminister Markus Marterbauer „ideologische Vorbehalte“ vor. ORF
Finanzministerium bremst
Das Finanzministerium hält einen Start mit 1. Jänner 2027 für „technisch praktisch unmöglich“. Budgetiert sei der Startbonus nur für zwei Geburtsjahrgänge mit je 40 Millionen Euro, der Steuerausfall durch die KESt-Befreiung gar nicht. Die SPÖ schlägt stattdessen vor, den Bonus automatisch über den Bundesschatz anzulegen. Heute
Erste Details: bis zu 500 Euro Startguthaben
Ministerin Claudia Bauer nennt die Eckpunkte: Startguthaben von bis zu 500 Euro, Einzahlungen von bis zu 5.000 Euro im Jahr, Entnahme erst ab dem 18. Geburtstag, bis dahin keine KESt und keine Kontoführungsgebühren. Für den Bonus sind in den nächsten zwei Jahren je 40 Millionen Euro budgetiert. ORF
Grüne kritisieren Finanzierung aus dem Familienfonds
Grünen-Finanzsprecherin Nina Tomaselli kritisiert, dass die 40 Millionen Euro im Jahr aus dem Familienlastenausgleichsfonds kommen sollen, und rechnet vor, dass Familien mit viel Geld ein Vielfaches an Steuervorteil erhalten. Heute
Momentum Institut kritisiert die Verteilungswirkung
Laut dem gewerkschaftsnahen Institut kann im Mittel nur die besser bezahlte Hälfte der Familien den maximalen Steuervorteil nutzen. Momentum Institut
Stocker stellt das Zukunftsdepot vor
Im ORF-Sommergespräch schlägt Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) vor, für jedes Kind bis zu 5.000 Euro im Jahr ohne Kapitalertragsteuer und ohne Spesen anlegen zu können. ORF
Wer dafür ist und wer dagegen
Die Front verläuft nicht zwischen Regierung und Opposition, sondern mitten durch die Koalition. Von 14 Parteien und Organisationen, die sich geäußert haben, sind 7 dafür, 3 skeptisch und 4 dagegen. Unterstützung kommt vor allem aus der Wirtschaft, Kritik aus Sozialorganisationen und von den Grünen.
Regierung
ÖVP
Bundeskanzler Christian Stocker, Ministerin Claudia Bauer
dafürStart am 1. Jänner 2027 sei vereinbart und machbar, die Banken hätten großes Interesse. ORF
NEOS
Stellungnahme der Partei
dafürEiner raschen Umsetzung stehe nichts im Wege. Eigenes ausformuliertes Modell mit Kostenobergrenze für Fonds. Heute
SPÖ und Finanzministerium
Finanzminister Markus Marterbauer
skeptischStart 2027 „technisch praktisch unmöglich“, Finanzierung nur für zwei Jahrgänge. Vorschlag: Bonus automatisch über den Bundesschatz anlegen. Heute
Opposition
Grüne
Finanzsprecherin Nina Tomaselli
dagegenDas Modell nütze vor allem Familien mit Geld. Kritik, dass der Bonus aus dem Familienlastenausgleichsfonds kommen soll. Heute
FPÖ
Budgetsprecher Arnold Schiefer
skeptischNur ein echtes Angebot, wenn die Inflation abgegolten wird. Sonst ein von Gebühren und KESt befreites Sparbuch. VersicherungsJournal
Wirtschaft
Industriellenvereinigung
Generalsekretär Christoph Neumayer
dafürKinder könnten von Anfang an vom Kapitalmarkt profitieren. Ersetzt aber keine Pensionsreform. OTS
Junge Industrie
Bundesvorsitzender Eduard Fröschl
dafürRichtiger erster Schritt. Fordert eine steuerfreie Behaltefrist für langfristige Geldanlagen aller Altersgruppen. OTS
Junge Wirtschaft
Bundesvorsitzende Verena Eugster
dafürFordert mindestens 1.000 Euro Startkapital und die steuerfreie Verwendung für Ausbildung oder Unternehmensgründung. OTS
Wirtschaftskammer
Michael Höllerer
dafürBegrüßt, den Kapitalmarkt als Vorsorgeinstrument zu nutzen. VersicherungsJournal
Aktienforum
Angelika Sommer-Hemetsberger
dafürEin wichtiger Impuls für die Vorsorgekultur. VersicherungsJournal
Soziales und Arbeitnehmer
ÖGB
Helene Schuberth
dagegenDer falsche Ansatz, weil vor allem Besserverdienende profitieren. VersicherungsJournal
Volkshilfe
Direktor Erich Fenninger
dagegenVerschärfe soziale Ungleichheit, ein Drittel der Haushalte könne kaum sparen. Schätzt den Steuerausfall nach 18 Jahren auf rund 800 Millionen Euro im Jahr. Fordert eine Kindergrundsicherung. OTS
Caritas
Präsidentin Nora Tödtling-Musenbichler
skeptischStaatliche Unterstützung müsse alle Kinder erreichen. Fordert Kindergrundsicherung und leistbare Kinderbetreuung. OTS
Momentum Institut
Leonhard Dobusch
dagegenMehr Sparen am Kapitalmarkt verstärke Vermögensungleichheit. Besser in öffentliche Infrastruktur investieren. Moment
Pressespiegel
Moment · AnalyseWarum das Zukunftsdepot nicht alle reich macht
Leonhard Dobusch vom Momentum Institut argumentiert, dass mehr Aktiensparen vor allem bestehenden Vermögen nützt und Kleinanleger meist bereits bestehende Aktien kaufen.
Handelsblatt · BerichtAktien für Neugeborene: Droht Österreichs Zukunftsdepot zu scheitern?
Der Blick aus Deutschland: Streit um Finanzierung und Termin, Gegenvorschläge von SPÖ und Momentum Institut, Steuervorteil von rund 23.700 Euro beim Höchstbetrag.
ORF · BerichtMinisterrat: Regierung kündigt „Herbst der Ergebnisse“ an
Kanzler Stocker nennt das Zukunftsdepot unter den Streitthemen, für die bald Lösungen kommen sollen.
ORF · BerichtNEOS für rasche Umsetzung von „Zukunftsdepot“
Die NEOS stellen sich hinter den Starttermin 2027, die Caritas fordert statt des Depots eine Kindergrundsicherung.
Wirtschaftsministerium · AussendungZukunftsdepot stärkt Kapitalmarkt und finanzielle Vorsorge
Minister Hattmannsdorfer bekräftigt 500 Euro für alle ab 2027 in Österreich geborenen Kinder, 40 Millionen Euro seien im Doppelbudget 2027/28 eingeplant.
ORF · BerichtKoalitionsstreit über „Zukunftsdepot“
Finanzministerium und Ministerin Bauer liegen beim Starttermin und der Finanzierung über Kreuz.
Heute · Bericht„Praktisch unmöglich“: Minister bremst Zukunftsdepot
Das Finanzministerium sieht kein fertiges Konzept, keine Finanzierung über zwei Jahrgänge hinaus und keinen budgetierten Steuerausfall.
ORF · Bericht„Zukunftsdepot“: Startguthaben von bis zu 500 Euro angedacht
Ministerin Bauer nennt die Eckpunkte: bis zu 500 Euro Start, 5.000 Euro im Jahr, Zugriff ab 18, je 40 Millionen Euro für zwei Jahre.
Salzburg24 · BerichtStartbonus, Obergrenze und Co: Erste Details zu „Zukunftsdepots“
Details zu Banken, Anlageauswahl ohne Garantie, Depots auch für vor 2027 geborene Kinder und Modellrechnungen mit 7 % Rendite.
Heute · BerichtWegen Sparplan für Kinder: Grüne gehen auf Stocker los
Nina Tomaselli rechnet vor, dass der Vorteil beim Höchstbetrag rund 29-mal so groß ist wie bei 15 Euro im Monat.
Momentum Institut · AnalyseDas „Zukunftsdepot“ bringt nur Gutbezahlten maximale Steuervorteile
Grafik nach Einkommensgruppen: Im Mittel kann nur die besser bezahlte Hälfte der Familien den vollen Rahmen nutzen.
VersicherungsJournal · BerichtStocker: „Zukunftsdepot“ soll private Vorsorge fördern
Reaktionen von FPÖ, Grünen, WKÖ, Aktienforum und ÖGB auf die Ankündigung.
ORF · Bericht„Sommergespräche“: Stocker mit Plan für „Zukunftsdepot“
Im ORF-Sommergespräch stellt der Kanzler das Modell vor: 5.000 Euro im Jahr pro Kind ohne KESt und ohne Spesen.
Was das für Eltern heißt
Wer ein Kind erwartet, das 2027 zur Welt kommt, kann mit dem Startbonus rechnen, sobald das Gesetz beschlossen ist: Alle bisher genannten Fassungen sehen ihn vor. Ob das Depot schon ab Jänner eröffnet werden kann oder erst später, ist offen. Für ältere Kinder ändert eine Verzögerung wenig, außer dass steuerfreie Jahre verloren gehen. Was ein früher oder später Start in Euro ausmacht, zeigt der Zukunftsdepot-Rechner.