Kapitalertragsteuer
Zukunftsdepot und KESt
Der Kern des Zukunftsdepots ist eine Steuerbefreiung: Auf Kursgewinne, Dividenden und Fondserträge soll bis zum 18. Geburtstag keine Kapitalertragsteuer anfallen, sonst 27,5 %. Bei 5 % Rendite ist das mindestens rund 14 Cent pro eingezahltem Euro wert. Für jeden Euro gleich viel, aber wer 5.000 Euro im Jahr einzahlt, spart damit rund 12.800 Euro, wer 15 Euro im Monat einzahlt, rund 460 Euro.
Von Martin Höllinger · Aktualisiert am · Stand: angekündigt, noch kein Gesetz
Wie Erträge heute besteuert werden
Wer für ein Kind heute mit Fonds oder Aktien spart, zahlt auf jeden Ertrag Kapitalertragsteuer. Die Bank zieht sie automatisch ab. Laut Finanzministerium gelten zwei Sätze:
| Ertrag | KESt | Wann sie fällig wird |
|---|---|---|
| Zinsen aus Sparbuch und Konto | 25 % | Bei jeder Zinsgutschrift |
| Dividenden und Ausschüttungen | 27,5 % | Bei der Auszahlung |
| Kursgewinne | 27,5 % | Beim Verkauf |
| Thesaurierende Fonds | 27,5 % | Jedes Jahr auf die ausschüttungsgleichen Erträge, auch ohne Auszahlung |
Ein Fonds, der seine Erträge wieder anlegt, zahlt trotzdem jährlich Steuer auf die darin enthaltenen Zinsen, Dividenden und einen Teil der realisierten Kursgewinne (Konsument). Beim späteren Verkauf wird das angerechnet, doppelt gezahlt wird also nicht. Aber das Geld fehlt über Jahre beim Zinseszins. Genau diesen Effekt würde das Zukunftsdepot beseitigen.
Ganz neu ist die Idee nicht. Wer Aktien und Fonds vor dem 1. Jänner 2011 gekauft hat, kann Kursgewinne bis heute grundsätzlich steuerfrei verkaufen; damals galt eine Spekulationsfrist von einem Jahr (Finanzministerium).
Was die Steuerbefreiung wert ist
Wie viel KESt bis zum 18. Geburtstag wegfällt, hängt fast nur von zwei Größen ab: der Einzahlung und der Rendite. Ab der Geburt, ohne Startbonus, damit nur die Steuerwirkung zählt:
| Pro Monat | Eingezahlt in 18 Jahren | Gesparte KESt bei 5 % | bei 7 % |
|---|---|---|---|
| € 15 | € 3.240 | € 462 | € 755 |
| € 25 | € 5.400 | € 770 | € 1.258 |
| € 50 | € 10.800 | € 1.541 | € 2.516 |
| € 100 | € 21.600 | € 3.082 | € 5.032 |
| € 200 | € 43.200 | € 6.163 | € 10.064 |
| Höchstbetrag (€ 416,67) | € 90.000 | € 12.840 | € 20.967 |
0,5 % Fondskosten, Einzahlung am Monatsende. KESt einmalig auf den Gewinn beim Verkauf mit 18, also ein Mindestwert: Die jährliche Besteuerung thesaurierender Fonds ist nicht eingerechnet.
Andere Rechnungen kommen auf höhere Werte, weil sie mit höherer Rendite oder anderen Annahmen arbeiten. Die Grünen nennen für den Höchstbetrag rund 23.700 Euro und für 15 Euro im Monat 815 Euro (Heute). Modellrechnungen mit 7 % Rendite kommen auf 1.800 bis 24.750 Euro (Salzburg24). Die Größenordnung ist in allen Rechnungen dieselbe.
In einem schlechten Börsenumfeld ist die Befreiung nichts wert: Wo kein Gewinn entsteht, fällt auch keine Steuer an. Den Wertverlust trägt das Kind voll.
Warum der Vorteil so ungleich verteilt ist
Pro eingezahltem Euro ist die Ersparnis für alle gleich. Ungleich wird sie, weil nicht alle gleich viel einzahlen können. Bei € 15 im Monat bleiben in 18 Jahren rund 460 Euro KESt im Depot, beim Höchstbetrag rund 12.800 Euro, fast das 28-Fache. Laut Momentum Institut kann im Mittel nur die besser bezahlte Hälfte der Familien den vollen Rahmen nutzen.
Der Startbonus wirkt in die andere Richtung, weil alle Kinder ab 2027 denselben Betrag bekommen sollen. Daran setzen die Gegenvorschläge an: Die SPÖ will den Bonus automatisch für jedes Kind anlegen, Volkshilfe und Caritas halten eine Kindergrundsicherung für treffsicherer. Die Volkshilfe schätzt den Steuerausfall nach 18 Jahren auf rund 800 Millionen Euro im Jahr (OTS).
Was steuerlich noch offen ist
| Frage | Stand |
|---|---|
| Bleibt der Ertrag steuerfrei, wenn das Geld nach dem 18. Geburtstag im Depot liegen bleibt? | Keine Fassung sagt, was mit Erträgen nach der Volljährigkeit passiert. |
| Ist die Auszahlung selbst steuerfrei? | Die NEOS schreiben es ausdrücklich. Die Regierung spricht von Steuerfreiheit „bis zur Volljährigkeit“. |
| Kostet ein Fondswechsel innerhalb des Depots Steuer? | Nicht geregelt. In einem normalen Depot löst jeder Verkauf mit Gewinn KESt aus. |
| Wie wird der Steuerausfall bezahlt? | Laut Finanzministerium steht er nicht im Budget. |
Diese Punkte entscheiden mit, wie viel vom Vorteil am Ende ankommt. Vor allem die erste Frage: Wer das Geld mit 18 nicht braucht und weiterlaufen lässt, zahlt ab dann womöglich wieder KESt auf alle neuen Erträge.
Der größere Streit: KESt-Freiheit auch für Erwachsene?
Das Zukunftsdepot ist Teil einer breiteren Debatte. Schon im Juli hatte die ÖVP vorgeschlagen, Kursgewinne nach einer Behaltefrist von etwa zehn Jahren von der KESt zu befreien, um private Altersvorsorge zu fördern. Die NEOS unterstützen das, die SPÖ lehnt es ab, und im Regierungsprogramm steht es nicht (SN, 28. Juli 2026).
Die Junge Industrie sieht das Zukunftsdepot deshalb nur als ersten Schritt und fordert eine steuerfreie Behaltefrist für alle (OTS).